Inhaltsverzeichnis:
Qualzucht, überlastete Vereine und mehrere Tierschutzfälle im Fokus
Brandenburgische Tierschutzbeauftragte warnt vor Qualzucht beliebter Rassen
Die brandenburgische Landestierschutzbeauftragte Anne Zinke warnt davor, dass die Zucht bestimmter Hunderassen mit Tierleid verbunden sein kann. Gegenüber SZ.de spricht sie von „Qualzucht“ und kritisiert, dass Werbung und soziale Medien mit Bildern und Videos sogenannter „Trendtiere“ die Nachfrage nach gesundheitlich belasteten Rassen weiter steigern.
Französische und Englische Bulldoggen, Dackel sowie Zwergspitze gehörten weiterhin zu den besonders nachgefragten Rassen, sagte Zinke. Viele dieser Tiere hätten aufgrund extremer züchterischer Selektion ein hohes Risiko für Schmerzen, Leiden oder dauerhafte Schäden oder entwickelten solche Probleme im Laufe ihres Lebens. Kurzköpfige Hunde könnten sich bei hohen Temperaturen schnell überhitzen.
„Ob im urbanen Raum oder in sozialen Medien: Französische und Englische Bulldoggen, Dackel oder Zwergspitze gehören weiterhin zu den besonders nachgefragten Rassen, mit steigender Tendenz“, sagte Anne Zinke laut SZ.de.
Mit dem Verein Tierwohl statt Lifestyle – Gemeinsam gegen Qualzucht e.V. initiierte Zinke die Postkartenkampagne „Lifestyle oder Lebewesen“. Die Kampagne soll über die Folgen sogenannter Qualzuchten informieren und den Blick darauf lenken, dass bestimmte Merkmale zwar als niedlich oder ästhetisch attraktiv wahrgenommen werden, für die Tiere jedoch problematisch sein können.
Als Beispiele nennt die Tierschutzbeauftragte übergroße Augen, stark gerundete Köpfe, breite Gesichter sowie bestimmte Fell- und Augenfarben. Auch sehr lange Rücken, übermäßig kurze Gliedmaßen sowie extrem kleine oder sehr große Körpergrößen könnten gesundheitliche Probleme verursachen.
Betroffen seien nicht nur Hunde. Zinke nennt auch Nacktkatzen, Perserkatzen und Scottish Fold sowie weitere Heimtiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und Reptilien.
Infobox: SZ.de berichtet über eine Kampagne gegen Qualzucht. Im Mittelpunkt stehen beliebte Hunderassen sowie bestimmte Körper- und Zuchtmerkmale, die mit Schmerzen, Leiden oder dauerhaften Schäden verbunden sein können.
Ehrenamtliche Tierschutzvereine im Zollernalbkreis sind am Limit
Im Zollernalbkreis berichten ehrenamtliche Tierschützerinnen von einer zunehmenden Belastung. Katharina Reinecke vom Verein Lebenswert in Haigerloch und Sarah Jetter von der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen sagen: „Wir sind am Limit.“ Reinecke gründete den Verein gemeinsam mit Petra Stehle vor fünf Jahren.
In nahezu jedem Zimmer von Reineckes Haus sind Tiere untergebracht, die in Notsituationen gefunden wurden. Die aktiven Vereinsmitglieder übernehmen Pflege und Versorgung, sofern sie über den entsprechenden Sachkundenachweis verfügen.
Derzeit versorgt Reinecke unter anderem mehrere junge Schwalben, die aus ihren Nestern gefallen sind. Nach ihren Angaben heizen sich die Nester bei Hitze stark auf, sodass die Jungvögel herausspringen. Während der Sommermonate haben Wildtierstationen deshalb besonders viele Vögel zu versorgen; zusätzlich kommen wegen der anhaltenden Trockenperiode zahlreiche geschwächte Wildtiere hinzu.
Die Jungschwalben müssen stündlich gefüttert werden, auch nachts. Reinecke legt ihnen mit einer Pinzette vorsichtig Heimchen in den Schnabel. Das kleinste Tier ist ihrer Schätzung nach gerade einmal drei Tage alt. Weitere Vögel warten in einer Voliere im Garten darauf, wieder zu Kräften zu kommen, bevor sie in die Natur entlassen werden können.
Neben Vögeln nimmt Reinecke auch Eichhörnchen, Rehe und – wie im Frühjahr – Füchse auf. Die Tiere werden so lange gepflegt, bis sie wieder selbstständig in ihrem natürlichen Lebensraum zurechtkommen.
Die Ehrenamtlichen wünschen sich eine verlässlichere personelle und finanzielle Grundlage. Futter, Volieren, Gehege und Tierarztbesuche verursachen Kosten, die die Tierschützerinnen derzeit teilweise aus eigener Tasche bezahlen. Weil das Tierheim in Tailfingen keine Katzen mehr aufnehmen kann, landen zunehmend auch Katzen bei privat getragenen Tierschutzvereinen.
„Das Ganze sprengt so langsam unseren privaten Rahmen“, erklärt Katharina Reinecke laut Schwäbische.de. „Wir sind Privatpersonen und schaffen das neben Beruf und Familie nicht mehr.“
Die Frauen fordern von den Kommunen Unterstützung und insbesondere eine feste Anlaufstelle für Wildtiere. Nach Angaben von Steffen Maier, Pressesprecher des Landratsamts Zollernalbkreis, besteht jedoch keine Regelung, nach der Kommunen Wildtiere in Not versorgen müssen. Wildtiere gelten grundsätzlich als herrenlose Tiere; deshalb bestehe für Kommunen und andere Teile der Verwaltung keine Zuständigkeit, sich um einzelne Tiere zu kümmern.
Bei Fundtieren ist die Lage anders. Verlorene oder entlaufene Haus- und Heimtiere, die nicht offensichtlich herrenlos sind und von einer Person gefunden und aufgenommen werden, fallen in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen. Der Landkreis bezuschusst das Tierheim in Tailfingen mit 1,20 Euro pro Einwohner im Zollernalbkreis. Im vergangenen Jahr waren dies rund 232.000 Euro.
Eine feste Anlaufstelle für verletzte Vögel, Igel oder andere Wildtiere gibt es laut Maier nicht. Finder können sich beispielsweise an örtliche Tierschutzvereine, den NABU oder den Deutschen Tierschutzbund wenden. Das Tierheim habe derzeit einen Aufnahmestopp, während das NABU-Vogelschutzzentrum an seiner Kapazitätsgrenze sei.
Reinecke warnt davor, Wildtiere ohne fachliche Anleitung selbst zu versorgen. Viele Finder fütterten die Tiere in ihrer Not falsch; nach mehreren Stunden kämen sie teilweise völlig fehlversorgt bei den Vereinen an. Eine professionelle Wildtierstation könnte nach ihrer Einschätzung außerdem Fehlprägungen vermeiden, durch die Tiere später nicht mehr ausgewildert werden können.
Infobox: Schwäbische.de berichtet über überlastete ehrenamtliche Helfer. Besonders bei Wildtieren fehlt eine feste offizielle Anlaufstelle, während Tierheime und bestehende Einrichtungen ihre Kapazitätsgrenzen erreichen.
Storch nach Schuss vom Kirchendach operiert
In Letschin ist ein Storch vom Dach einer Kirche geschossen worden. Bei der Untersuchung in einer Tierarztpraxis stellte sich heraus, dass zwei Geschosse aus einer Luftdruckwaffe in seinem Flügel steckten, wie Steffen Werschke, Vorsitzender des Tierschutzvereins „Frutzel“ in Frankfurt (Oder), laut STERN.de schilderte.
Eine Passantin hatte am vergangenen Freitag im Letschiner Ortsteil Groß Neuendorf bemerkt, dass der Storch vom Kirchendach gestürzt war. Zunächst bestand der Verdacht, dass er gegen ein Hindernis geflogen sein könnte. Die Röntgenaufnahmen zeigten jedoch zwei Diabolo-Geschosse; außerdem wurden zwei Brüche festgestellt.
Der erwachsene Storch wurde zunächst über das Wochenende in einer Pflegestelle versorgt. Am Nachmittag wurde er in einer Tierarztpraxis operiert. Nach Angaben des Vereins verlief die Operation gut und dem Tier gehe es gut.
„Die OP ist gut verlaufen. Ihm gehts gut“, sagte Vereinsvorsitzender Steffen Werschke laut STERN.de.
Der Storch soll noch einige Wochen bei Frankfurt (Oder) gepflegt werden. Nach Angaben des Vereins handelt es sich vermutlich um ein zweijähriges Tier.
Der Tierschutzverein hat Anzeige erstattet und hofft auf weitere Zeugen. Werschke bezeichnete die Schussverletzung als „erbärmlich“. Der Fall soll nun weiter aufgeklärt werden.
Infobox: STERN.de berichtet von einem Storch mit zwei Diabolo-Geschossen und zwei Brüchen. Nach einer erfolgreichen Operation soll das vermutlich zweijährige Tier noch einige Wochen gepflegt werden.
Demonstration in München gegen Tiertransporte bei Hitze
Die Organisation Soko Tierschutz will gegen Tiertransporte bei hohen Temperaturen demonstrieren. Anlass sind unter anderem dokumentierte Anlieferungen von Rindern am Münchner Schlachthof, die Ende Juni bei 39 Grad in Lastwagen mit kleinen Ventilatoren und einem für die hohen Temperaturen unangemessenen Tränkensystem erfolgt sein sollen.
Soko-Gründer Friedrich Mülln und seine Mitstreiter stellten nach Angaben der Abendzeitung München Anzeige gegen mehrere Viehhändler, eine Veterinärin und die Betreibergesellschaft des Münchner Schlachthofs. Mülln sagte, den Rindern seien Stress und Leiden durch den Transport anzusehen gewesen; er sprach von „eindeutigem, länger anhaltendem Leiden“ und einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
Das Kreisverwaltungsreferat teilte der Soko Tierschutz mit, dass das Veterinäramt rechtlich keine Möglichkeit habe, Transporte bei Hitze zu stoppen oder zurückzuweisen. Der Schlachthof München verlege an heißen Tagen den Schlachtbeginn auf sieben Uhr und das Abladen auf sechs Uhr morgens. Die Anlieferungen müssten entsprechend koordiniert werden. Ein noch früherer Schlachtbeginn sei wegen der Nachtruhe nicht möglich.
„Das Veterinäramt hat rechtlich keine Möglichkeit, die Transporte bei Hitze zu stoppen oder zurückzuweisen“, teilte das Kreisverwaltungsreferat laut Abendzeitung München mit.
Die Tierschützer berichten zugleich von mehreren Anlieferungen um die Mittagszeit. Deshalb fordert die Soko Tierschutz einen verbindlichen politischen Stopp, sobald extreme Hitze herrscht. Nach der Forderung von Friedrich Mülln sollen bei 30 Grad keine Tiertransporte mehr gestartet oder angenommen werden dürfen.
Auch der Deutsche Tierschutzbund sieht Tiertransporte bei Hitze kritisch. Präsident Thomas Schröder bezeichnete sie für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel als „puren Stress“. Wenn beladene Tiertransporter wegen zunehmenden Verkehrs stundenlang feststeckten, könne die Situation für die Tiere mit dem Tod enden. An den Autobahnen gebe es keine ausreichende Versorgung für solche Fälle.
Die Demonstration der Soko Tierschutz findet am Freitag, 14. August, um 14.30 Uhr vor dem Münchner Schlachthof in der Zenettistraße 9 statt.
Infobox: Die Abendzeitung München berichtet über Kritik an Tiertransporten bei Temperaturen von weit über 30 Grad. Die Soko Tierschutz fordert ein verbindliches Verbot ab 30 Grad und kündigt eine Demonstration am Freitag, 14. August, um 14.30 Uhr an.
Polizei ermittelt nach Einsatz auf einer Schafweide im Unterallgäu
Im Unterallgäu rückten Polizei und Veterinäramt nach einem Hinweis auf einen möglichen Tierschutzverstoß zu einer Schafweide aus. Ein krankes Schaf wurde nach einer kurzen Untersuchung durch eine Amtsveterinärin und der Hinzuziehung eines Tierarztes getötet.
Dem Einsatz waren nach Angaben des Tierschützers Philipp Hörmann Hinweise am späten Samstagabend vorausgegangen. Sein Rechercheteam habe ein Video eines Zeugen erhalten und noch in der Nacht eine Veterinärmedizinerin hinzugezogen. Am Sonntagmorgen alarmierte das Team die Polizei und führte die eintreffende Streife zu dem abgelegenen Einsatzort.
Die Polizei Mindelheim nahm nach Angaben der Augsburger Allgemeinen sofort Kontakt auf, um veterinärmedizinische Unterstützung zu organisieren. Das Landratsamt Unterallgäu bestätigte den von Hörmann beschriebenen Ablauf.
Hörmann sprach von einem „mega-außergewöhnlichen“ Verletzungs- oder Krankheitsbild, nannte wegen der laufenden Ermittlungen aber keine Einzelheiten. Nach dem derzeitigen Stand des Veterinäramts könnte sich der Tierhalter möglicherweise nicht rechtzeitig und nicht ausreichend um das kranke Tier gekümmert haben.
Das tote Schaf wurde zur weiteren Untersuchung an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gebracht. Ein Gutachten könne mehrere Wochen dauern. Die Polizei wartet die Untersuchung ab und prüft, ob und was dem Tierhalter konkret vorgeworfen werden kann.
Eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes könnte vorliegen, wenn einem Wirbeltier „aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden“ oder „länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zugefügt werden. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist laut Polizei derzeit noch offen.
Die Lämmer des getöteten Mutterschafs bleiben beim Tierhalter. Nach Angaben des Landratsamts wurden sie bereits zuvor von Hand gefüttert, weil die Mutter keine Milch hatte. Diese Fütterung soll zunächst fortgeführt werden; die Lämmer fressen aber auch schon selbstständig.
Hörmann lobte die Polizei, das Veterinäramt und den Tierarzt. Das Leid sei trotz widriger Umstände außerhalb der normalen Öffnungszeiten schnell erkannt und mit milden Mitteln beendet worden.
Infobox: Die Augsburger Allgemeine berichtet über laufende Ermittlungen nach einem Einsatz auf einer Schafweide. Das tote Schaf wird untersucht; ein Gutachten kann mehrere Wochen dauern.
Streit um Ochsenrennen in Steinkirchen
In Steinkirchen, einem Ortsteil von Aßling, soll am 16. August ab 11 Uhr ein Ochsenrennen stattfinden. Das Ereignis wird im Rahmen des Burschenfestes veranstaltet und findet laut Rosenheim24 alle zehn Jahre statt; 2026 soll es zum vierten Mal seit 1986 ausgetragen werden.
Bei dem Rennen werden Ochsen von Reitern geritten. Der Burschenverein Steinkirchen hat nach eigenen Angaben lange für die Veranstaltung geplant. Zum Rahmenprogramm gehören ein Grillabend, ein Weinfest, das Burschenfest und ein BBQ-Essen.
Die Tierschutzorganisation PETA fordert, das Rennen abzusagen oder durch andere Formate zu ersetzen. Als Alternativen wurden laut Veranstalter Stockpferdreiten oder Menschen genannt, die als Ochsen verkleidet durch die Gegend laufen.
„Diese Rennen sind nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Den Ochsen werden Schmerzen zugefügt. Sie werden an die Startlinie gezogen. Ein Rind läuft nicht freiwillig, wenn es nicht muss“, sagte Julia Weibel von PETA laut Rosenheim24.
Das Veterinäramt Ebersberg erklärt, dass Ochsenrennen nach dem Tierschutzgesetz nicht grundsätzlich verboten werden können. Ein Verbot sei nur möglich, wenn den Tieren nachweislich Schmerzen, Leiden oder Schäden entstünden. Nach Einschätzung der Veterinärverwaltung sei dies nicht zwangsläufig der Fall.
Für das Rennen gelten umfangreiche Auflagen. Die Ochsen werden vor der Veranstaltung von einem Amtstierarzt untersucht, damit nur gesunde Tiere teilnehmen. Während der gesamten Veranstaltung soll ein praktischer Tierarzt vor Ort sein. Treibhilfen wie Sporen oder Stöcke sind verboten; außerdem müssen Wasser, Futter und Witterungsschutz bereitstehen.
Das Veterinäramt kündigt an, die Veranstaltung vom Auftrieb bis zur Abfahrt der Tiere zu überwachen. Ein Beispiel für die Wirkung der Auflagen ist der Ochse „Schoki“ von Ramona Huber aus der Gemeinde Aßling. Das Tier darf nicht starten, weil es zu jung ist.
Huber beschreibt „Schoki“ als ein Tier, das von klein auf umsorgt wird, lange Spaziergänge und viel Auslauf bekommt und liebevoll behandelt wird. Nach ihren Angaben bringt der Ochse rund 900 Kilogramm auf die Waage. Wenn er keine Lust habe, müsse dies akzeptiert werden.
Infobox: Rosenheim24 berichtet über den Konflikt zwischen PETA und dem Veranstalter des Ochsenrennens am 16. August ab 11 Uhr. Das Veterinäramt sieht kein grundsätzliches Verbot, kündigt aber Kontrollen und umfangreiche Tierschutzauflagen an.
Quellen:
- Tierschutz-Kampagne - Tierschutzbeauftragte: „Qualzucht“ bei beliebten Rassen - Wissen
- Tierschutz am Rand der Belastung: Vereine sind am Limit und fordern Hilfe
- Tierschutz: Storch von Kirche geschossen - in Tierarztpraxis operiert
- München: Tierschützer demonstrieren gegen Tiertransporte bei Hitze über 30 Grad
- Polizei ermittelt nach Tierschutz-Einsatz: Krankes Schaf wird getötet und nun untersucht
- Tierschutz-Zoff um Ochsenrennen am kommenden Wochenende in Aßling




















